Erfolgsgeschichte: Yehor Syrota – Vom Ankommen zum Durchstarten

Wie Yehor Syrota in der Grafschaft Bentheim beruflich Fuß fasst

Als Yehor Syrota im August 2022 aus der Ukraine nach Deutschland kam, stand er vor einem kompletten Neuanfang: neue Sprache, neue Strukturen, neue berufliche Wege. Doch für den heute 40-Jährigen war schnell klar, dass er nicht warten, sondern handeln wollte. Noch bevor ein Kursplatz verfügbar war, begann er autodidaktisch Deutsch zu lernen. Im Spätherbst 2022 erhielt er einen Platz in einem Flüchtlingskurs und wechselte frühzeitig in einen regulären Integrationskurs, bestand dort bereits nach anderthalb Monaten die B1-Prüfung.

Diese ersten Schritte wurden zum Fundament für eine beeindruckende Entwicklung. Ab November 2023 besuchte der engagierte Ukrainer das Projekt KomIn 4.0-Kompetenzzentrum Integration 4.0. Dieses wird seit Oktober 2023 im Rahmen der Fördermaßnahme „Unterstützung Regionaler Fachkräftebündnisse 2021–2027“ umgesetzt und von der Volkshochschule Grafschaft Bentheim als Projektträger verwaltet. Gemeinsam mit der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim und dem Grafschafter Jobcenter verfolgt KomIn 4.0 das Ziel, qualifizierte Geflüchtete erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren und damit die regionale Fachkräftesicherung zu stärken.

Für Yehor Syrota eröffnete sich dadurch eine konkrete berufliche Perspektive: Im Rahmen des Projekts wurde ein betriebliches Praktikum bei der Firma Koelmann in Nordhorn vermittelt. Dort hinterließ er schnell einen sehr guten Eindruck. Aus dem Praktikum entstanden mehrere Anschlussmöglichkeiten. Vom direkten Einstieg als Helfer über eine Ausbildung bis hin zur betrieblichen Umschulung. Der 40-JährigeEr. entschied sich zunächst für eine Beschäftigung und startete kurze Zeit später über die berufliche Weiterbildung eine Umschulung zum Elektroniker, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik. Den Kontakt zwischen Arbeitgeber und Agentur für Arbeit stellte die VHS her; auch bei den Formalitäten wurde er begleitet.

Seine Geschichte zeigt, wie Integration gelingen kann, wenn Motivation, Sprachförderung, betriebliche Offenheit und regionale Netzwerke zusammenkommen. Genau hier setzt auch das Kompetenzfeld Bildung und Fachkräfte der Wirtschaftsvereinigung an: Die Sicherung qualifizierter Fachkräfte zählt zu den zentralen Herausforderungen für Unternehmen in der Grafschaft Bentheim. Die Wirtschaftsvereinigung begleitet Unternehmen unter anderem bei der Anwerbung und Integration ausländischer Fachkräfte, bei Weiterbildung, Bindung und Potenzialentfaltung und fördert den praxisnahen Austausch, etwa im Arbeitskreis Fachkräftemigration.

Heute blickt Yehor mit Stolz auf das, was er erreicht hat, was ihm aber noch nicht reicht. Im Sommer 2026 steht seine Zwischenprüfung an. Danach möchte er weiterlernen und langfristig sogar den Meister machen. „Mit Arbeit und Sprache bekomme ich Respekt. Das ist mir wichtig“, sagt er. Sein Ziel ist es, mindestens das Sprachniveau C1 zu erreichen. Besonders dankbar ist er für die Unterstützung im Betrieb: Gerade zu Beginn habe er viel Verständnis erfahren. Die Umschulung beschreibt er rückblickend als „die beste Entscheidung“, die er in Deutschland getroffen habe.

Für die Grafschaft Bentheim ist diese Erfolgsgeschichte mehr als ein Einzelfall. Sie steht beispielhaft dafür, wie internationale Fachkräfte ihr Potenzial entfalten können, wenn regionale Partner gemeinsam handeln. Nachhaltige Integration bedeutet nicht nur, Menschen in Arbeit zu bringen. Sie bedeutet, Perspektiven zu eröffnen, Unternehmen bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen und die Region als starken Wirtschafts- und Lebensraum weiterzuentwickeln. Yehor bringt es selbst auf den Punkt: „Ich suche Herausforderungen und ich weiß, was ich bisher alles geschafft habe. Ich schaffe noch mehr.“

Michelle Skinner bei der Arbeit mit einer Bewohnerin des Krokusheims.