Daten als Schlüssel zur besseren Unternehmenssteuerung

Stephan Feldker, Gründer und Geschäftsführer der moduco GmbH, als Referent beim Forum Digitalisierung. Bild: Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim e.V.

Erfahrungsberichte beim Forum Digitalisierung

Daten entstehen heute in nahezu allen Bereichen eines Unternehmens, bleiben im Alltag jedoch häufig ungenutzt. Dabei bieten gut aufbereitete Daten enormes Potenzial: Sie schaffen Transparenz, erleichtern die Steuerung von Prozessen und bilden eine verlässliche Grundlage für fundierte Entscheidungen.

Wie sich dieses Potenzial konkret heben lässt, stand im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe „Forum Digitalisierung“ der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim. Unter dem Titel „Daten sehen. Prozesse verstehen. Komplexität beherrschen. – Wie Transparenz zur Grundlage wirksamer Steuerung wird“ erhielten die Teilnehmenden vor allem praxisnahe Einblicke aus Unternehmen der Region.

Für den fachlichen Einstieg sorgte Prof. Dr. Liane Haak, Dekanin am Campus Lingen der Hochschule Osnabrück, die die grundlegenden Zusammenhänge und Möglichkeiten datenbasierter Unternehmenssteuerung verständlich einordnete.

Im Anschluss stand die Praxis im Fokus, mit sehr unterschiedlichen Erfahrungsberichten aus Unternehmen, die zeigten, wie Daten aufbereitet werden, welche Herausforderungen dabei entstehen und wie sie gezielt für bessere Entscheidungen genutzt werden können.

Tobias Holtkamp, Gründer und Geschäftsführer von der Holtkamp Consulting GmbH, beleuchtete die Bedeutung von Data-Warehouse-Lösungen als Grundlage einer einheitlichen Datenbasis, vereinfachter Analysen und eines aussagekräftigen Reportings sowie zur Unterstützung fundierter Entscheidungen. Anhand von Beispielen aus Wirtschaft, Banken und Behörden machte er deutlich, dass erfolgreiche Datenarbeit weit über Technik hinausgeht: Entscheidend sei, Daten nicht nur technisch aufzubereiten, sondern auch fachlich zu verstehen und organisatorisch zu verankern. Nur so ließen sich Profitabilität erkennen, Abweichungen analysieren und Entwicklungen frühzeitig identifizieren. Sein Fazit: „Datenprojekte sind dann erfolgreich, wenn sie nicht nur Reports erzeugen, sondern Vertrauen schaffen – in Zahlen, in Entscheidungen und in die eigene Steuerungsfähigkeit.“

Einen anderen Ansatz stellte Nicolas Roscheng von der Grafschafter Nachrichten GmbH vor. Im Mittelpunkt stand die Digitalisierung im Lesermarkt. Ausgangspunkt war die gezielte Steuerung von Paywall-Modellen. Deutlich wurde, wie datenbasierte Auswertungen helfen, Nutzerverhalten besser zu verstehen und Angebote gezielt weiterzuentwickeln. Grundlage hierfür ist ein gemeinsames Data Warehouse im sogenannten „Drive“-Verbund, in dem über dreißig Verlage datenschutzkonform Artikel- und Nutzungsdaten zusammenführen. Drive bietet Strukturen, die kein Teilnehmer allein aufbauen kann, und Daten, über die keiner allein verfügt.  „Digitalisierung eröffnet neue Chancen der Zusammenarbeit. Der Drive-Verbund wäre zuvor nicht denkbar gewesen“, betonte Roscheng.

Wie umfassend sich Prozesse durch Digitalisierung verändern lassen, zeigte Steuerberater Christian Glewwe von der Kanzlei NorCon BERATUNG PartG mbB. Ausgangspunkt war ein stark manueller, zeitaufwendiger Lohnprozess mit hoher Abhängigkeit von einzelnen Personen und fehlender Standardisierung. Durch die Einführung einer einheitlichen Plattform entstand ein durchgängig digitaler Prozessablauf: von der mandantengesteuerten Datenerfassung über Validierung und Fehlerbehebung bis hin zur vollautomatisierten Lohnabrechnung und Bereitstellung etwa über die DATEV-App. Das Ergebnis: weniger Wiederholungsabrechnungen, geringerer Zeitaufwand und deutlich mehr Prozesssicherheit. „Ziel der Digitalisierung in unserer Branche ist es, wiederkehrende Abläufe zu vereinfachen, Daten effizient an einem Ort zu sichern und den Arbeitsalltag für alle Beteiligten spürbar zu entlasten“, erklärte er.

Dass Digitalisierung nicht zwangsläufig hohe Investitionen erfordert, zeigte Stephan Feldker, Gründer und Geschäftsführer der moduco GmbH. Der Robotik-Spezialist setzt gezielt auf schlanke, selbst entwickelte Lösungen statt auf komplexe Standardsoftware. An konkreten Beispielen wurde deutlich, wie unternehmensspezifische Prozesse effizient digitalisiert werden können, flexibel und nah am tatsächlichen Bedarf. „Unsere Mission ist es, produzierenden Unternehmen den Zugang zu Automatisierungs- und Digitalisierungstechnologien nachhaltig zu erleichtern,“ so Feldker.

Gitta Mäulen, die Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung, fasste den Kern der Veranstaltung zusammen: „Die Frage ist nicht, ob wir genügend Daten haben, sondern ob wir das nutzen, was uns bereits zur Verfügung steht.“ Genau hier setzten die Praxisbeiträge an, mit greifbaren Lösungen, ehrlichen Einblicken und konkreten Erfahrungen aus dem Unternehmensalltag. Ihr Fazit: „Der Weg zu einer datenbasierten Unternehmenssteuerung beginnt nicht mit der perfekten Lösung, sondern mit dem ersten Schritt. Die vorgestellten Beispiele machen Mut, vorhandene Daten gezielter zu nutzen, Prozesse transparenter zu gestalten und Entscheidungen auf eine verlässlichere Grundlage zu stellen.“

Die Referenten, v.l. Tobias Holtkamp (Holtkamp Consulting GmbH), Christian Glewwe (NorCon BERATUNG PartG mbB), Prof. Dr. Liane Haak (Campus Lingen), Stephan Feldker (moduco GmbH) und Nicolas Roscheng (Grafschafter Nachrichten GmbH) mit Gitta Mäulen (Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung). Bild: Wirtschaftsvereinigung der Grafschaft Bentheim e.V.