Innovationszentrum CBB: Starke Impulse aus der Praxis
Juni 2026
Unternehmensworkshop zur Mitwirkung am Innovationszentrum des Campus Berufliche Bildung. Bild: Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim e.V.
Unternehmen gestalten Innovationszentrum des CBB aktiv mit
Wie muss ein Innovationszentrum gestaltet sein, damit es Unternehmen konkret unterstützt und zur Fachkräftesicherung beiträgt? Mit dieser Frage beschäftigten sich zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Bildung und Praxis bei einem Workshop der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim in Kooperation mit dem Landkreis und der Kreishandwerkerschaft.
Mit dem geplanten Innovationszentrum am Campus Berufliche Bildung soll ein Ort entstehen, an dem Unternehmen, Schulen und junge Menschen gemeinsam an Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz, digitalen Zwillingen und Robotik arbeiten.
„Die Zukunft unserer Region entscheidet sich daran, wie gut wir Innovation, Bildung und betriebliche Praxis miteinander verzahnen“, betonte Gitta Mäulen, Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung in der Begrüßung der Teilnehmenden. „Das Innovationszentrum soll genau dafür ein zentraler Ort werden.“
Die Ergebnisse des Workshops zeigen: Das Interesse an einem Ort für Innovation ist groß und die Ideen der Unternehmen sind vielfältig, konkret und praxisnah.
Digitale Zwillinge: Effizienz und Qualität steigern
Ein wichtiger Schwerpunkt lag auf dem Thema „Digitale Zwillinge“. Die Unternehmen sehen hier klare Mehrwerte:
- Fehlerreduktion durch Simulation vor der praktischen Umsetzung
- Optimierung von Logistik- und Intralogistikprozessen
- Steigerung der Produktivität durch effizientere Abläufe
„Digitale Zwillinge helfen uns, Prozesse vorab realitätsnah zu testen und dadurch Zeit und Kosten zu sparen“, so ein Unternehmensvertreter.
Auch bei den Lernformaten für Auszubildende, Schülerinnen und Schüler sowie Mitarbeitende erscheinen praxisnahe Angebote sinnvoll, von VR-gestützten Betriebsrundgängen über 3D-Scanning von Gebäuden und Anlagen bis hin zum Einsatz von BIM (Building Information Modeling) und 3D-Software in der Ausbildung.
Künstliche Intelligenz: Chancen nutzen und Mitarbeitende mitnehmen
Das Thema KI nahm im Workshop breiten Raum ein. Neben großen Potenzialen wurden auch klare Anforderungen und Herausforderungen formuliert.
Die Unternehmen sehen zentrale Einsatzfelder unter anderem in der Automatisierung von Verwaltungs- und Produktionsprozessen sowie in der vorausschauenden Fehleranalyse. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Datensicherheit, eigene KI-Infrastrukturen (z. B. Serverlösungen für eigene LLMs) und europäische Softwarelösungen an Bedeutung.
Zudem müsse der technologische Fortschritt durch verpflichtende Schulungen und Medienkompetenz, aktives Changemanagement sowie die Vermittlung gesellschaftlicher Werte und Normen im Umgang mit KI begleitet werden.
Was die Unternehmen konkret beschäftigt, ist unter anderem der Aufbau interdisziplinärer Teams (z. B. aus Auszubildenden und Ausbildern), die stärkere Vernetzung von jungen und erfahrenen Mitarbeitenden, die Entwicklung unternehmensinterner oder sektorübergreifender KI-Lösungen sowie neue Anforderungen an Führung durch KI-basierte Systeme („Agenten-Farmen“).
Einigkeit bestand zudem darin, dass KI den Menschen unterstützt, aber nicht ersetzten werde. Die Kontrolle und Verantwortung bleibe beim Menschen.
Für das Innovationszentrum wünschen sich die Unternehmen vor allem anwendungsorientierte Formate:
- Workshops auf Basis realer Use-Cases
- gemeinsame Testprojekte von Auszubildenden und Ausbildern
- Schulungs- und Qualifizierungsangebote für Schülerinnen und Schüler sowie Mitarbeitende
- unternehmensübergreifenden Austausch
- Entwicklung und Anwendung von KI-Workflows und Automatisierungslösungen
Robotik: Praxisnah, vernetzt und skalierbar
Auch für den Bereich Robotik formulierten die Teilnehmenden Ideen. Der Fokus liegt demnach auf praktischer Anwendung und direktem Nutzen für Ausbildung und Betrieb sowie zur Verbindung von Schülerinnen und Schülern mit der Arbeitswelt. Gewünscht werden unter anderem:
- Programmier-Workshops
- Anwendungen wie Bin-Picking-Systeme und automatisierte Maschinenbestückung
- Einsatz fahrerloser Transportsysteme
- Formate zur Mensch-Maschine-Zusammenarbeit
- MINT-Tage
- Fördermöglichkeiten und Kooperationen zur finanziellen Umsetzung
Innovationszentrum: Ein Ort für Austausch, Innovation und Fachkräfte
Die Ergebnisse des Workshops machen deutlich: Das Innovationszentrum soll weit mehr sein als ein Lernort. Es soll Technologien erlebbar machen, Praxis und Bildung eng verzahnen, Unternehmen konkrete Mehrwerte liefern und Menschen für Zukunftsthemen begeistern.
„Die große Beteiligung und die Vielzahl konkreter Beiträge zeigen, dass die regionale Wirtschaft bereit ist, sich aktiv einzubringen“, resümierte die Geschäftsführerin. „Genau dieses Engagement brauchen wir, um die Zukunftsfähigkeit unserer Region zu sichern.“
Die Wirtschaftsvereinigung versteht sich dabei als Brückenbauer zwischen Wirtschaft und Bildung und will:
- Innovation in der beruflichen Bildung aktiv gestalten, um die regionale Wirtschaft langfristig zukunftsfähig zu halten.
- Austausch zwischen unternehmerischer Praxis, Schule und Schülern unterstützen, strukturiert, kontinuierlich und auf Augenhöhe.
- Praxiserfahrungen und berufliche Perspektiven für junge Menschen in der Grafschaft Bentheim ermöglichen, frühzeitig und realistisch.
Ausblick
Die Workshop-Ergebnisse fließen nun in die weitere konzeptionelle Ausgestaltung des Innovationszentrums ein. Ziel bleibt es, gemeinsam einen Ort zu schaffen, der Innovation fördert, Fachkräfte sichert und die Zukunftsfähigkeit der Grafschaft Bentheim nachhaltig stärkt.