Unternehmen diskutieren moderne Wege der Personalgewinnung
Mai 2026
Im Workshop diskutierten die Personalverantwortlichen regionaler Unternehmen in Kleingruppen zentrale Aspekte entlang des gesamten Recruitingprozesses. Bildquelle: Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim e.V.
Austausch im Forum HR zum Thema „Recruiting neu denken“
Rund 50 Teilnehmende kamen am 5. Mai 2026 im NINO-Hochbau auf Einladung der Wirtschaftsvereinigung zum „Forum HR – Recruiting neu denken“ zusammen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Gewinnung und Bindung qualifizierter Fach- und Führungskräfte. Ziel der Veranstaltung war es, praxisnahe Impulse zu geben, den Erfahrungsaustausch zu fördern und neue Perspektiven für eine zukunftsfähige Personalgewinnung zu eröffnen.
„Viele Unternehmen stehen heute vor ähnlichen Fragen: Wie erreichen wir die richtigen Talente und wie gelingt es, Bewerbende und Unternehmen schneller und passgenau zusammenzubringen?“, brachte Gitta Mäulen, Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung, den Kern der Diskussion zum Auftakt auf den Punkt. Angesichts eines Arbeitsmarktes, der zunehmend von Arbeitskräftemangel geprägt ist, gewannen diese Fragestellungen im Verlauf des Forums weiter an Bedeutung.
Konkrete Einblicke aus der Praxis lieferten Andrea Schmees von der Vrielmann GmbH aus Klausheide, Julian Krümpel von der Kortmann Beton GmbH aus Schüttorf sowie Wolfgang Hackmann von der Hackmann-Hotelgruppe. Die Verantwortlichen stellten ihre Recruiting-Strategien vor und berichteten offen über Erfolge wie auch Herausforderungen im Arbeitsalltag. Dabei wurde deutlich: Es gibt nicht den einen richtigen Weg, wohl aber zahlreiche Stellschrauben, mit denen Unternehmen ihre Arbeitgeberattraktivität steigern können.
Ein zentrales Thema war der Wandel der Arbeitswelt. Technologische Entwicklungen verändern Arbeitsstrukturen und Aufgabenprofile spürbar. In der Folge gewinnt die langfristige Bindung von Mitarbeitenden ebenso an Bedeutung wie deren Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln und neue Kompetenzen zu erwerben. Die Praxisbeispiele zeigten auf unterschiedliche Weise, wie Unternehmen auf diese Veränderungen reagieren, etwa durch breiter gefasste Anforderungsprofile, gezielte Qualifizierungsangebote oder neue Wege der Ansprache.
Im anschließenden Austausch diskutierten die Personalverantwortlichen in Kleingruppen zentrale Aspekte entlang des gesamten Recruitingprozesses: von Sichtbarkeit und zielgruppengerechter Ansprache über Anforderungen und Erwartungen bis hin zu Kommunikation, Auswahlprozessen und Mitarbeiterbindung. Intensiv beleuchtet wurde dabei auch der Perspektivwechsel auf Bewerbende. Diese treten zunehmend mit hohen Erwartungen an Arbeitgeber heran, etwa mit Blick auf Sinnhaftigkeit der Tätigkeit, Führungskultur, Flexibilität, Entwicklungsmöglichkeiten und Zusatzleistungen.
Ein wiederkehrendes Fazit der Diskussionen lautete, dass Authentizität ein entscheidender Erfolgsfaktor im Recruiting sei. „Ehrliche und transparente Einblicke in den Arbeitsalltag schaffen Vertrauen und erhöhen die Glaubwürdigkeit von Unternehmen“, hieß es mehrfach. Zugleich wurde betont, dass nicht alle fachlichen Anforderungen bereits zum Zeitpunkt der Einstellung vollständig erfüllt sein müssten. Persönliche Kompetenzen, Lernbereitschaft und Anpassungsfähigkeit würden angesichts sich wandelnder Aufgabenprofile und technologischer Veränderungen zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Auch die Gestaltung des Bewerbungsprozesses selbst stand im Fokus des Forums. Als zentrale Erfolgsfaktoren nannten die Teilnehmenden eine schnelle, transparente und wertschätzende Kommunikation sowie klar definierte Rollen im Auswahlprozess. „Verlässliches Feedback, klare Rückmeldungen und das Aufzeigen von Entwicklungsperspektiven stärken die Bindung schon im Bewerbungsprozess“, fasste Nicole Unger, Projektleiterin im Forum Personalentwicklung der Wirtschaftsvereinigung, zusammen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der regionalen Zusammenarbeit. Der Austausch zwischen Unternehmen innerhalb der Wirtschaftsvereinigung sowie mit Akteuren des Arbeitsmarktes, darunter die Agentur für Arbeit und das Grafschafter Jobcenter, und Weiterbildungsanbietern wie dem Bildungswerk der Grafschafter Wirtschaft und weiteren Dienstleistern stärkt die Attraktivität und Anpassungsfähigkeit der einzelnen Betriebe. Gleichzeitig erhöht diese Vernetzung die Attraktivität der gesamten Region Grafschaft Bentheim als Arbeits- und Lebensstandort. Die beteiligten Institutionen stellten im Forum ihre Unterstützungsangebote und Fördermöglichkeiten insbesondere im Bereich Qualifizierung und Weiterbildung vor. „Recruiting hört nicht mit der Einstellung auf. Die kontinuierliche Entwicklung von Mitarbeitenden ist ein entscheidender Hebel, um Fachkräfte langfristig zu sichern“, betonte ein Vertreter der Arbeitsmarktinstitutionen.
In der Gesamtbetrachtung machte das Forum deutlich: Unternehmen stehen vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen in der Arbeitswelt. Neben der Gewinnung neuer Mitarbeitender gewinnt deren langfristige Bindung, Weiterentwicklung und Qualifizierung zunehmend an Bedeutung. Das „Forum HR – Recruiting neu denken“ zeigte, dass modernes Recruiting weniger von einzelnen Maßnahmen als vielmehr von Offenheit, Zusammenarbeit und Entwicklungsperspektiven lebt und dass der regionale Austausch dabei ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg ist.



