Neujahrsempfang 2026
Jan. 2026
Vor mehr als 400 Gästen in Nordhorn hielt Politikwissenschaftler Prof. Dr. Herfried Münkler die Festrede anlässlich des Neujahrsempfangs der Wirtschaftsvereinigung. Bildquelle: Wirtschaftsvereinigung der Grafschaft Bentheim e.V.
Impulse für Transformation und Standortentwicklung
Mit ihrem traditionellen Neujahrsempfang hat die Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim am 14. Januar 2026 gemeinsam mit mehr als 400 Gästen aus Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft den Auftakt für das Jahr 2026 gesetzt.
Grafschafter Wirtschaft setzt auf Zukunftskraft
Der Vorstandsvorsitzende Klaas Johannink ordnete in seiner Rede die aktuellen Ergebnisse des Prognos Zukunftsatlas ein, der alle drei Jahre die Zukunftsfähigkeit der 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland bewertet. Die Grafschaft Bentheim belegt darin derzeit Platz 211. Positiv hervorgehoben wurden unter anderem das Beschäftigungswachstum, die hohe Gründungsintensität, die gut ausgebaute Infrastruktur sowie die hohe Investitionstätigkeit der Unternehmen.
Johannink erinnerte daran, dass der Region nach dem Niedergang der Textilindustrie ein beeindruckender Strukturwandel gelungen sei. „Heute stehen wir erneut an einem Epochenbruch“, betonte er. Dieser verlaufe zwar weniger abrupt, doch Unternehmen und Mitarbeitende stünden erneut vor tiefgreifenden Veränderungen. Die Unternehmerschaft befinde sich in einer Phase hoher Dynamik und Transformation.
Aus den Prognos-Ergebnissen leitete er drei zentrale Handlungsfelder für die Entwicklung der kommenden Jahre ab: eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft – auch über die Grenze hinweg mit Partnern in den Niederlanden -, die Ausrichtung von Gründungen, Ansiedlungen und Unternehmensentwicklungen an Zukunftstechnologien sowie ein klarer Fokus auf Bildung. Veränderungen in Berufsbildern und Geschäftsfeldern seien absehbar und müssten aktiv begleitet werden: „Weiterbildung wird wichtiger denn je.“
Mit Blick auf die Vielzahl an Bildungseinrichtungen im Umfeld sowie den entstehenden Campus Berufliche Bildung sehe er große Chancen, Menschen für die Region zu gewinnen, für die Grafschaft zu begeistern und in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen im Herbst appellierte Johannink an Landkreis und Kommunen, gemeinsam einen „Masterplan“ zu entwickeln, um die Grafschaft in Zukunftsbranchen stärker sichtbar zu machen und die Standortattraktivität gezielt zu nutzen und weiter auszubauen. Die Wirtschaftsvereinigung verstehe sich dabei als Impulsgeber, indem sie den branchenübergreifenden Austausch fördere und gemeinsam mit ihren Mitgliedsunternehmen an konkreten Lösungsmöglichkeiten arbeite.
Europa am geopolitischen Wendepunkt
In seiner Festrede „Europa in einer neuen Weltordnung“ blickte Prof. Dr. Herfried Münkler auf die aktuelle geopolitische Lage Europas, die sich zunehmend in einer Sandwich-Position befinde: Während Russland mit militärischer Aggression und Einschüchterung Druck auf Europa ausübe, werde die europäische Union durch das Agieren von US-Präsident Donald Trump politisch bedrängt und erpresst. Die lange geltende regel- und wertebasierte Ordnung weiche zunehmend einer machtbasierten Weltordnung. Wer in diesem Umfeld nicht entschlossen handle, riskiere, überrollt zu werden.
Der Politikwissenschaftler und Bestsellerautor forderte daher eine deutlich handlungsfähigere Europäische Union, die sich von langwierigen Konsensverfahren löst. Europa müsse schneller und strategischer entscheiden. Dafür brauche es einen Kern handlungswilliger Staaten, die sich gegenüber den wachsenden Einflusszonen anderer Großmächte behaupten können. Deutschland, Frankreich und Großbritannien müssten seiner Einschätzung nach gemeinsam Verantwortung übernehmen – und könnten zusammen mit Polen und Italien ein europäisches Machtzentrum formen, das im globalen Wettbewerb Gewicht hat.
Münkler machte deutlich, dass Europa sich in einer Übergangsphase zu einer multipolaren Weltordnung befinde, in der fünf Großmächte – die USA, China, Russland, Indien und Europa – um Einfluss ringen. Für Europa sei dies eine strategische Bewährungsprobe: Nur wenn die Europäische Union ihre Strukturen modernisiere, sicherheitspolitisch eigenständiger werde und ihre Interessen klar definiere, könne sie ihren Platz in dieser neuen Ordnung behaupten.
Austausch als Stärke der regionalen Wirtschaft
Beim anschließenden Networking wurde einmal mehr deutlich, was die Wirtschaftsvereinigung auszeichnet: Interessenvertretung der Mitgliedsunternehmen und Impulsgeber für die künftige Entwicklung gemäß dem Motto „Gemeinsam stark“. So bot der Abend Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen, inspirierende Gespräche – neben anderen Unternehmen auch mit Vertretern aus Politik und Verwaltung – zu führen, Einblicke in andere Unternehmen zu gewinnen und eine Atmosphäre im NINO-Hochbau zum Jahresbeginn zu genießen.





