Round-Table-Gespräch mit IHK: Wandel Innenstädte fordert alle

Bildunterschrift: Konstruktiver Austausch herrschte beim Round-Table-Gespräch der IHK-Spitze sowie der Geschäftsführung und dem Vorstand der Wirtschaftsvereinigung zu regionalen Wirtschaftsthemen (v.l.n.r.): Klaas Johannink, Jutta Lübbert, Jochen Anderweit, Thomas Kolde, Norbert Jörgens, Uwe Goebel, Dr. Jörg Grundmann, Marco Graf, Jan Aalderink, Anke Schweda.

Anfang Juli tauschten sich die IHK-Spitze sowie die Geschäftsführung und der Vorstand der Wirtschaftsvereinigung im NINO-Hochbau in Nordhorn in einem „Round-Table-Gespräch“ zu regionalen Wirtschaftsthemen aus.

„Corona hat die globale Wirtschaft in einen Krisenmodus versetzt, für den kaum Risikoszenarien vorhanden waren“, stellte der Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Klaas Johannink in seiner Begrüßung fest. Die Wirtschaft habe aber schnell Strategien entwickelt, um mit der Krise leben zu können. Insbesondere der Digitalisierung sei eine große Bedeutung zugekommen. Gleichzeitig habe man gesehen, wie schnell Protektionismus entstehen und Lieferketten zusammenbrechen können. Außerdem habe Corona wie ein Katalysator auf die Entwicklung des Onlinehandels gewirkt und den ohnehin schon seit Jahren stattfindenden Strukturwandel in Innenstädten beschleunigt.

„Wenn Einzelhandel, Tourismus und Veranstaltungswirtschaft wieder ins Laufen kommen sollen, dürfen wir uns nicht länger allein von Inzidenzen leiten lassen“, erklärte IHK-Präsident Uwe Goebel. Vielmehr müsse die Landesregierung ihren Stufenplan überarbeiten und zügig neue Kriterien zur Bewertung der Corona-Lage integrieren. Hierzu gehörten für ihn u. a. die Belegung der Krankenhäuser durch Corona-Patienten, vor allem auf den Intensivstationen.  „Insbesondere die Schulen und Kitas müssen nach den Ferien wieder im Regelunterricht arbeiten, damit deren Eltern von der dauernden Notbetreuung endlich befreit sind.“

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Innenstädte und Mittelzentren erläuterte Anke Schweda, IHK-Geschäftsbereichsleiterin Standortentwicklung. Während in Deutschland der Onlinehandel in dem Zeitraum 2019 bis 2020 um 21 Prozent an Umsatz gewinnen konnte, sei der stationäre Einzelhandel um nicht einmal vier Prozent gewachsen. Die Stadt Nordhorn verzeichnete 2020 sogar einen Umsatzrückgang von 50 Millionen Euro (= – 11 Prozent) gegenüber dem Vorjahr. Für 2021 sei für Nordhorn ein weiterer Umsatzrückgang von 1,4 Prozent prognostiziert. Die Zahlen zeigten: Der seit einigen Jahren zu beobachtende Strukturwandel in unseren Innenstädten beschleunigt sich durch die Pandemie seit März 2020. Ein positiver Wandel in den Innenstädten könne nur gelingen, wenn sie sich mehr zu multifunktionalen Zentren mit einem Mix aus Dienstleistungen, Kultur, Tourismus, Wohnen und Arbeiten entwickeln. Besonderer Fokus liegt dabei auf der Steigerung der Aufenthaltsqualität. Dieser Wandel fordert alle Akteure: Unternehmer vor Ort ebenso wie Politik, Verwaltung, Werbegemeinschaften sowie Eigentümer- und Immobilienwirtschaft. „Mit dem Stadtumbauprojekt ‚Innenstadt am Wasser‘ verfügt die Stadt Nordhorn über einen guten Konzeptansatz, der die Attraktivität sowohl als Einkaufs- aber auch als Erlebnisstadt weiter ausbaut“, waren sich WV-Geschäftsführerin Jutta Lübbert und IHK-Geschäftsbereichsleiterin Anke Schweda einig.

Wichtig für die Region ist die Bahnverbindung zwischen Amsterdam, Bad Bentheim, Rheine, Osnabrück, Hannover und Berlin. „Die West-Ost-Achse hat eine hohe Bedeutung für die regionale Fernverkehrsanbindung und den Schienengüterverkehr. Daher ist es wichtig, sich weiterhin für diese Verbindung stark zu machen“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf. Konkret wünscht sich die Region eine bessere Frequenz, höhere Geschwindigkeiten und mehr Komfort, etwa bei der Mobilfunkabdeckung entlang der Strecke. Klaas Johannink erklärte: „Die West-Ost-Achse ist für unsere Region wirtschaftlich und touristisch von hoher Bedeutung. Das Engagement der IHK unterstützen wir gern.“

Das Treffen der Spitzenvertreter der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim (IHK) und der Vorstand der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim (WV) findet einmal im Jahr statt.